Ute Krebs geht in den RuhestandPressetext zur Ruhestandsversetzung der Förderschulrektorin Ute Krebs-Müller (Schulleiterin der Waldschule Saarwellingen, Förderschule geistige Entwicklung des Landkreises Saarlouis)

37 Arbeits- und Berufsjahre, davon 36 Jahre als Sonderpädagogin, davon 26 Jahre an der Förderschule geistige Entwicklung in Saarwellingen. 12 Jahre als Konrektorin, 13 Jahre als Rektorin.

Das ist erstmal die sehr nüchterne Bilanz in Zahlen, die Schulleiterin Ute Krebs-Müller kurz vor Eintritt in den Ruhestand in diesen Tagen zieht.

„Die pädagogische Bilanz sieht natürlich ganz anders aus“, resümiert die 63 –jährige. Die Didaktik im Fach Geistigbehindertenpädagogik habe sich in diesen  36 Jahren nach Abschluss ihres Sonderpädagogik-Studiums an der Universität Köln enorm weiterentwickelt.

„Standen früher eher Fürsorge und lebenspraktische Erziehung im  Vordergrund, so sind diese Aspekte zwar immer noch wichtig. Der Fokus für die Lehrkräfte in Bezug auf die schulische Förderung der  Kinder und Jugendlichen liege heutzutage  stärker auf Aspekten der  Selbstbestimmung, Emanzipation, Autonomie-Entwicklung sowie auf den Kernfächern Lesen / Schreiben und Elementare Mathematik, erklärt sie.

Heute arbeiten viele Schülerinnen und Schüler der Waldschule mit Tablets, gerade auch die Kinder und Jugendlichen, die über keine aktive Sprache verfügen und das Tablet als Sprachrohr verwenden können. Diese  Entwicklung habe sie selbst überrascht, aber die Erfolge gerade bei dieser Schülergruppe seien eindeutig.

Als sie 1993 zur Waldschule kam nach Stationen in Schwetzingen, Ludweiler, Saarbrücken und im Privatschuldienst besuchten etwa 60 Schülerinnen und Schüler die Schule. Heute habe sich die Zahl fast verdoppelt. Und das, obwohl mittlerweile deutlich weniger Kinder geboren werden, kaum noch Kinder mit Down-Syndrom zur Welt kommen und sehr viele Kinder mittlerweile inklusiv an Regelschulen beschult werden würden.

Eine merkwürdige Entwicklung, findet die Sonderpädagogin, die sich nicht allein mit dem medizinischen Fortschritt erklären lasse.

Stichwort „Inklusion“: „Ja, das ist auf jeden Fall ein richtiger und wichtiger Ansatz“, sagt sie, die selbst ein Aufbaustudium in Integrationspädagogik an der Saarbrücker Uni  absolviert und auch integrativ an einer  Grundschule gearbeitet hat.

Die saarlandtypische Einzelinklusion  von geistig behinderten Schülerinnen und Schülern in „normale“ Klassen, vor allem im Bereich der Sekundarstufe, hält sie dagegen für wenig sinnvoll.

Jeder Mensch braucht, so meint sie, um sich herum Menschen, die ähnlich denken und handeln. Peer-Group heißt das pädagogische Fachwort dazu. Eine Kleingruppe mit Schülerinnen und Schülern mit ähnlichem Förderbedarf in einer Regelkasse, das sei für sie der bessere Ansatz.

Sonst bestehe spätestens in der Pubertät die Gefahr der Vereinsamung. „Aber ich weiß, dass das viele Fachleute nicht so sehen. Wenn Sie mich nach dem Abitur an die Uni geschickt hätten als Integrationsstudentin im Fach Physik oder Mathematik, die Mitstudenten und Dozenten hätten sich noch so sozial verhalten können, dort wäre ich eingegangen“.

Die Waldschule und auch Saarwellingen als Ort sind ihr in den 26 Jahren Zugehörigkeit zur Förderschule sehr ans Herz gewachsen. Der Landkreis Saarlouis habe baulich und von der Ausstattung her viel für die Waldschule getan, berichtet sie. Ein Neubau, der das zu eng gewordene Hauptgebäude entlasten soll, kam hinzu sowie seit drei Jahren eine Dependance mit drei Klassen an der Gemeinschaftsschule an der Waldwies.

Und man sei dabei, die innenarchitektonischen Relikte aus der Gründungszeit der Schule (1976) langsam zurückzubauen, insbesondere die „lauten“ Wand- und Bodenkacheln. Die ersten Schritte dazu sind schon in den Fluren im Obergeschoss zu sehen.

Und was hat sich die Rektorin a.D. für die Pension vorgenommen? „Meinen Bruder regelmäßig besuchen, der in einem nordsaarländischen Lebenshilfe-Wohnheim lebt und gesundheitlich nicht mehr so gut dran ist.

Regelmäßig Sport treiben, meinen  Garten pflegen und genießen und, ach ja – der ‚Klassiker‘ bei Lehrern,  endlich Reisen außerhalb der Ferienzeit“. Mit einem weinenden und lachenden Auge lässt sie die Schülerinnen und Schüler und ihr Kollegium zurück.

„Erst einmal will ich Abstand halten und der neuen Schulleitung Zeit und Raum geben, sich neu aufzustellen.“ Ob sie schon weiß, wer ihre Nachfolge antreten wird? „Nein, das Bewerbungsverfahren scheint wohl abgeschlossen zu sein. Zunächst wird mein Stellvertreter, Förderschulkonrektor Jens Annawald, die Schulleitung kommissarisch führen. Ich bin auch gespannt, wie es weiter geht.“